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Braucht mein Pferd wirklich eine Decke?

Decke Pferd

Braucht mein Pferd wirklich eine Decke?

Jeden Winter kommt die leidige Frage des Eindeckens auf. Viele Stallkollegen decken ein, weil es eben jeder macht, also muss es schon richtig sein, oder nicht?

Eine Sache steht fest, ein geschorenes Pferd gehört eingedeckt.

Ob Scheren jedoch immer das richtige ist und welche Scherarten es gibt, könnt ihr bald in meinem anderen Blogartikel Scheren – nützlich oder Unfug? nachlesen.

Welche Temperaturen halten Pferde eigentlich aus?

Aber greifen wir durch eindecken oder auch scheren nicht zu sehr in die Thermoregulation des Pferdes ein?

Immer mehr versuchen wir durch bessere Haltungsformen, Ernährung, etc. die Natur des Pferdes zu berücksichtigen, aber sollten wir uns dann nicht alle Sparten genau anschauen?

Sind wir mal ehrlich, ein Wildpferd kommt gut ohne eine Decke aus. Klar, das muss auch nichts arbeiten- ein durchaus berechtigter Einwand, auf den wir später nochmal darauf eingehen.

Richtige Rekordkünstler sind zum Beispiel die Pferde in Sibirien, die Temperaturen bis zu minus 70°Celsius ohne mit der Wimper zu zucken hinnehmen. Auch im Sommer bei plus 40° Celsius stört die Temperatur sie wenig, was zeigt, das Pferde enorme Anpassungskünstler sind.

Dies ist jetzt nur ein Extrembeispiel, um zu verdeutlichen, zu was unsere Vierbeiner denn alles fähig sind.

Wir leben jetzt Gott sei Dank nicht in der Tundra und unsere behüteten Sport- und Freizeitpferde wären dort auch tatsächlich wirklich aufgeschmissen, aber Temperaturschwankungen von bis zu 40 Grad halten sie nichtsdestotrotz ohne Probleme aus.

pony ohne decke

Wie funktioniert die Thermoregulation?

Jetzt aber mal zu dem eigentlichen Kernpunkt: Was passiert, wenn wir unser Pferd eindecken?

Die Thermoregulation des Pferdes ist hochkomplex. Wenn die Tage wieder kürzer werden, fängt das Fell an dicker zu werden.

Für uns lästig, denn es dauert auch seine Zeit diesen Pelz wieder trocken zu bekommen und das Pferd nass in den Stall zu stellen, bedeutet Krankheiten, also definitiv keine Alternative.

Am Wohlsten fühlen sie sich bei minus fünf bis fünfzehn Grad. Erst wenn die Temperaturen unter zehn Grad minus fallen, fängt die Thermoregulation bei normalem Winterfell richtig an zu arbeiten.

Daran beteiligt sind das Fell, Arterien, Haut und Schweißdrüsen.

Braucht mein Pferd mehr Futter im Winter?

Besonders wichtig ist Fett. Fett isoliert sogar so stark, dass in einer Studie von der University of Minnesota von Marcia Hathaway und Krishona Martinson gesagt wurde, umso mehr Fett ein Pferd besitzt, umso weniger Fell benötigt es, denn Fett bedeutet Energie.

Umso kälter die Temperaturen werden, umso mehr Energie benötigt das Pferd also. Durch Raufutter, am besten Heu kann dieser Mehrbedarf an Energie unterstützt werden.

Das heißt jetzt aber nicht, dass man das Pferd füttern soll bis es kugelrund wird, denn es ist ja schließlich kein Bär, der sich für den Winterschlaf vorbereiten muss.

Dass das Pferd über den Winter etwas zunimmt ist dagegen völlig normal, wir reden hier allerdings von etwas. Das bedeutet, dass man die tägliche Futterration im Optimalfall erhöhen muss, denn der Fellwechsel bedeutet für den Stoffwechsel Hochleistung und von irgendwo braucht das Pferd diese Energie.

Die Dicke und Dichte des Winterfells wird genauso von den Außentemperaturen gesteuert.

Umso kälter, umso mehr Fell also.

Wenn wir jetzt rechtzeitig eindecken, spielen wir also dem Körper des Pferdes vor, es wäre noch gar nicht so kalt, weshalb weniger Fell nachgeschoben wird.

Wann decke ich jetzt also ein?

Klar ist, ein gesundes Pferd mit genügend Winterfell kommt gut ohne Decke aus, selbst dann wenn mal eine Schneeschicht auf seinem Rücken liegt.

Fällt die Temperatur allerdings unter minus 15 und es steht kein Unterstand zur Verfügung, sollte man sich überlegen das Pferd einzudecken, gleiches gilt wenn es ständigem Regen oder Eisregen ausgesetzt sind.

Dieser drückt nämlich das Fell platt, wodurch sich die Isolierung verschlechtert. Ganz so pauschal kann man das Ganze allerdings nicht sagen.

Pferde die krank oder alt sind, oder gegenüber nasskaltem Wetter empfindlich, brauchen eine Decke.

Gleiches gilt auch für manche Warmblüter oder Vollblüter, bei denen die Nässe problematisch ist, wohingegen Kaltblüter oder Isländer weniger Probleme mit nasskalten Witterungsverhältnissen haben.
Die Anpassungsfähigkeit an die Kälte variiert also auch mit der Rasse.

Anders ist es bei den Sportpferden. Wird täglich viel trainiert, kann rechtzeitiges Eindecken zu viel Winterfell verhindern, wodurch die Pferde nicht so schnell schwitzen und das Scheren dadurch sogar verhindert werden kann.

Fazit

Eine pauschale Antwort kann man leider nicht geben.

Die Besitzer sind angehalten sich ihr Pferd genau anzuschauen und das Für und Wider des Eindeckens sich zu überlegen und zum Wohle des Pferdes zu entscheiden.

Das bedeutet genau darüber nachzudenken, welcher Typ das Pferd ist und dabei die Haltungsform und das Training mit einzubeziehen.  Dazu gehört dann auch die Fütterung der Decke mit zu berücksichtigen und nicht nach dem eigenen Empfinden zu gehen.

Deshalb lieber mal unter die Decke fassen, wie kalt oder warm das Pferd darunter ist, nicht das wir es zu gut meinen und unser Liebling dann anfängt zu schwitzen.

Eines steht jedoch fest, Decken sind eine gute Alternative um wirklich jedem Pferd einen artgerechten Auslauf zu bieten und genau darum geht es doch schlussendlich auch.

2 Idee über “Braucht mein Pferd wirklich eine Decke?

  1. Susanne Michel sagt:

    Liebes Team, ich habe zu der Decke noch eine Frage. Ich habe ein Pony gekauft, das bisher nur im Stall stand und nun im Offenstall leben darf. Muss ich im Winter was besonders beachten? Soll ich bei starkem Regen eindecken? Die Pferde haben bei uns Unterstellmöglichkeit. Ich habe beobachtet, dass sie trotz starkem Regen lieber auf der Weide bleiben und grasen. Für mich ist das immer schlimm anzusehen, weil ich denke, die frieren doch irgendwann. Was ist, wenn die Unterhaut nass ist? Soll ich dann eine Regendecke auflegen?
    Danke für die Infos und Gruß an Nadine 🙂

    • Nadine Hugendubel sagt:

      Hallo Susanne,
      das Fell von Pferden ist mit einer fettigen Schicht zum Schutz gegen Feuchtigkeit bedeckt. Dadurch wirkt es wasserabweisend und der Regen fließt an der äußeren Fellschicht ab. Je dichter das Fell, umso weniger kommt Wasser wirklich bis auf die Haut. Wenn sie friert stellen Pferde ihr Fell auf, wodurch die Isolierschicht verstärkt wird.
      Generell musst du im Winter nichts besonderes beachten, sofern dein Pferd eine normale Thermoregualtion hat, wird sie das selber regeln, denn das Fell bietet den besten Schutz. Steht sie nämlich dann mit einer Regendecke im Dauerregen, weicht diese irgendwann durch. Dann hat sie eine nasse Decke und friert. Wichtig ist, dass sie im Winter durch den dicken Pelz denn sie sich anlegt nicht zu sehr schwitzt und dann verschwitzt im Offenstall steht und wohlmöglich noch im Zug.
      Wir hoffen, dass wir dir weiterhelfen konnten, ansonsten kannst du uns gerne noch Fragen stellen 🙂

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