Zweimal im Jahr verwandeln sich unsere Pferde in wandelnde Haarberge. Das Fell hängt überall auf der Kleidung, die Haare sind im Auto und das ein oder andere Mal auch im Mund. Aber hinter dem lästigen Haaren steckt weit mehr als nur ein kosmetisches Phänomen: Der Fellwechsel ist eine echte Hochleistungsphase für den Pferdekörper und für uns Pferdebesitzer eine gute Gelegenheit, genau hinzuschauen.
Warum wechseln Pferde das Fell und wann beginnt es?
Die häufigste Annahme ist falsch: Nicht die Temperatur löst den Fellwechsel aus, sondern die Tageslichtlänge. Das Pferd nimmt die veränderte Lichtmenge über die Augen wahr. Die Zirbeldrüse im Gehirn, eine kleine Hormondrüse, reguliert daraufhin die Ausschüttung von Melatonin und gibt dem Körper das Signal: Umrüsten.
Das bedeutet auch: Der Fellwechsel beginnt innerlich lange bevor wir ihn äußerlich sehen. Im Frühjahr stellt der Körper sich bereits ab Ende Dezember / Januar um. Sichtbar haaren die Pferde dann ab März bis Mai.
| Die zwei Fellwechsel im Jahr: Frühjahr (März–Mai): Dickes Winterfell fällt aus, feines Sommerfell wächst nach. Intensiver und dauert länger. Herbst (September–November): Sommerfell wird abgeworfen, das Winterfell schiebt nach. Geht meist schneller. |
Ist der Fellwechsel für Pferde anstrengend?
Ja und zwar mehr als die meisten denken. Die Hautoberfläche eines Pferdes umfasst 5 bis 10 Quadratmeter mit 500 bis 800 Haaren pro Quadratzentimeter. Das ergibt eine enorme Menge an Haarsubstanz, die der Körper gleichzeitig abwirft und neu produziert. Stoffwechsel, Kreislauf und Immunsystem laufen dabei auf Hochtouren.
Das Immunsystem muss in dieser Zeit Kapazitäten teilen: Weniger Reserven für die Abwehr, mehr Energie für die Fellproduktion. Kein Wunder, dass viele Pferde während des Fellwechsels schlapper wirken oder anfälliger für Infekte sind.
Besonders belastet sind:
- Ältere Pferde – der Stoffwechsel arbeitet langsamer
- Pferde mit Vorerkrankungen wie Cushing, EMS oder chronischen Infekten
- Pferde, die nährstoffmäßig unterversorgt waren
FunFact:
Bei 8 m² Deckhaarfläche und etwa 600 Haaren pro Quadratzentimeter entspricht das insgesamt rund 48 Millionen Haare! Kein Wunder also, dass beim Fellwechsel einiges zusammenkommt: Über das Jahr verteilt verliert ein 600-kg-Pferd in etwa 12 bis 16 kg Haare.
Wann ist der Fellwechsel beim Pferd vorbei?
Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Als grobe Orientierung dauert der Frühjahrs-Fellwechsel bei gesunden Pferden in der Regel 6 bis 8 Wochen, manchmal bis zu 10 Wochen, da das dicke Winterfell nach und nach vom Sommerfell ersetzt wird. Je nach Rasse, Alter, Haltung oder Klima kann sich der Prozess aber auch über mehrere Monate hinziehen.
Faktoren, die die Dauer beeinflussen:
- Rasse: Nordrassen wie Isländer oder Tinker haben dichteres Fell und längere Wechselphasen
- Alter: Jüngere Pferde wechseln schneller als Senioren
- Haltung / Tageslicht: Pferde, die im Offenstall stehen oder viel Tageslicht bekommen, reagieren stärker auf die natürliche Lichtveränderung.
- Witterung / Kälteeinbruch: Ein plötzlicher Kälteeinbruch im Frühling kann den Wechsel verzögern oder kurz unterbrechen, weil der Körper das dickere Fell teilweise noch behält, um sich gegen die Kälte zu schützen.
- Gesundheit & Nährstoffversorgung: Mangelernährte Pferde brauchen länger
| Faustregel Der Frühjahrs-Fellwechsel (Winterfell → Sommerfell) dauert länger als der Herbstwechsel. Zuerst fallen die langen Oberhaare, dann die dicke Unterwolle – ein gestaffelter Prozess über mehrere Wochen. |
Was hilft Pferden beim Fellwechsel? – 5 bewährte Tipps
Tipp 1: Täglich striegeln
Striegeln ist das wirkungsvollste Mittel und sollte täglich auf dem Plan stehen. Es löst das alte Fell, fördert die Durchblutung der Haut und beschleunigt das Nachwachsen des neuen Haarkleids. Das nachwachsende Fell juckt oft, weshalb die Pferde die Pflege jetzt besonders genießen.
Tipp 2: Viel Tageslicht und Bewegung ermöglichen
Pferde mit viel Zeit im Freien wechseln in der Regel schneller und gleichmäßiger. Moderates Training fördert die Durchblutung zusätzlich – auch Lymphsystem und Stoffwechsel profitieren davon.
Tipp 3: Fütterung anpassen
Ohne die richtigen Nährstoffe kann der Körper kein gesundes Fell aufbauen. Das liegt vor allem daran, dass Haare zu etwa 80 % aus Keratin bestehen, einem Eiweiß. Entsprechend wichtig ist eine gute Versorgung mit Aminosäuren, Vitaminen und Spurenelementen.

- Omega-3-Fettsäuren (Leinöl) – fördern Hautgesundheit und Fellglanz
- Zink – zentral für die Keratinbildung sowie das Wachstum von Haut und Haaren
- Biotin (Vitamin B7) – unterstützt die Bildung von Keratin; ein Mangel zeigt sich oft durch stumpfes Fell oder brüchige Hufe
- Kupfer, Mangan und Selen – wichtig für Zellwachstum und Fellqualität
- Eiweißreiche Fütterung – da Keratin ein Protein ist, kann z. B. Luzerne besonders bei älteren oder schwerfuttrigen Pferden sinnvoll sein
- Magnesium und Vitamin E – unterstützen Haut und Stoffwechsel
- Hochwertiges Raufutter (Heu) – bleibt die Basis für eine gesunde Verdauung und Nährstoffaufnahme
- Gesunde Darmflora – wichtig für die körpereigene Bildung von B-Vitaminen
- Ausreichend frisches Wasser – essenziell für den gesamten Stoffwechsel
Gerade nach dem Winter lohnt sich außerdem ein Blick auf die Futterqualität, da überwiegend Heu und Stroh gefüttert wurden. Minderwertiges Raufutter kann den Stoffwechsel zusätzlich belasten – in solchen Fällen kann es sinnvoll sein, den Organismus gezielt zu unterstützen.
Wichtig ist dabei: Die Übersicht zeigt, welche Nährstoffe im Fellwechsel eine Rolle spielen. Sie ist aber keine Empfehlung, alles wahllos zuzufüttern.
Gerade bei Spurenelementen wie Zink, Kupfer oder Selen kommt es auf das richtige Gleichgewicht an. Eine einseitige, hochdosierte Gabe – zum Beispiel nur Zink – ist nicht automatisch sinnvoll. Im Gegenteil: Ein Überschuss kann die Aufnahme anderer wichtiger Spurenelemente hemmen, da sie im Körper in Wechselwirkung stehen. So beeinflusst Zink beispielsweise die Aufnahme von Kupfer und Selen.
Deshalb sollte die Fütterung im Fellwechsel immer bedarfsgerecht und ausgewogen erfolgen. Hochwertiges Grundfutter bildet die Basis, Ergänzungen sollten gezielt und im Idealfall abgestimmt eingesetzt werden – nicht pauschal „mehr hilft mehr“.
| Tipp: Die richtige Futterschüssel macht den Unterschied Wenn du deinem Pferd gezielte Ergänzungen wie Leinöl oder Mineralfutter gibst, lohnt sich ein Blick auf die Futterschüssel. Eine stabile, rutschfeste Schüssel hält das Futter dort, wo es hingehört – und nicht auf dem Stallboden. Gerade bei flüssigen Ergänzungen wie Öl ist eine gut bemessene Schüssel praktisch: einfach sauber zu halten, kein Ansammeln von Resten, keine Keimbildung. → Schau dir unsere Futterschüsseln an: Edelstahl Fütterschüssel |
Tipp 4: Behalte dein Pferd genau im Blick
Der Fellwechsel ist für den Körper eine echte Belastungsphase, das Immunsystem kann in dieser Zeit etwas sensibler reagieren. Deshalb lohnt es sich, das Pferd jetzt besonders im Blick zu behalten, um Hautprobleme oder Infekte früh zu erkennen.
Gerade im Fellwechsel gilt: Kleine Veränderungen fallen schneller auf, wer jetzt genau hinschaut, kann früh gegensteuern und größere Probleme vermeiden.
Tipp 5: Stress minimieren
Stress schwächt das ohnehin beanspruchte Immunsystem zusätzlich. Stallwechsel, intensive Turnierphasen oder häufige Transporte sollten möglichst nicht in den Höhepunkt des Fellwechsels fallen. Auch Entwurmung und Impfung können in der Ruhephase zwischen den Wechseln durchgeführt werden.
Was sind die Symptome einer Fellwechselstörung?
Ein langsamer Fellwechsel ist nicht immer ein Problem – manchmal liegt es schlicht an Rasse oder Witterung. Aber es gibt Warnsignale, die du ernst nehmen solltest:
Warnsignale – wann du genauer hinschauen solltest
- Fell wechselt gar nicht oder sehr verzögert – nach Mai noch viel Winterfell vorhanden
- Fell bleibt ungewöhnlich lang, zottig oder lockig – besonders an Bauch, Kopf und Beinen
- Große kahle Stellen oder kreisrunde Hautstellen (mögliche Pilzinfektion)
- Starkes Scheuern und Kratzen über den normalen Juckreiz hinaus
- Deutlicher Gewichtsverlust oder anhaltende Schlappheit
- Häufige Infekte, Husten oder Atemwegsprobleme
- Vermehrtes Schwitzen trotz moderater Belastung
- Stumpfes, mattes Fell auch nach dem Wechsel – kein Glanz trotz guter Pflege
Bei anhaltenden Auffälligkeiten: Tierarzt einschalten und eine Blutuntersuchung machen lassen. Je früher, desto besser..
Fazit: Wer versteht, was passiert, kann wirklich helfen
Der Fellwechsel ist kein lästiges Übel, er ist ein Fenster in die Gesundheit deines Pferdes. Wer täglich striegelt, die Fütterung anpasst, ausreichend Auslauf ermöglicht und wachsam bleibt, gibt seinem Pferd das Beste, um den Fellwechsel gesund zu überstehen.
Bild und Text wurden teilweise KI-gestützt erstellt.

